Protektor wird 4. in der Hong Kong International Vase (Gr.2)
 
Neue Wege waren schon immer mein Ziel, so war z.B. Protektor aus dem Löwe-Stall das erste deutsche Pferd, dass nach Hongkong eingeladen wurde. Er belegte dort am 08.12.1996 einen sehr beachtlichen 4. Platz.
 
 
 
Ein Rennpferd als harter Hund: Protektor wird zum Liebling
Eine vielbeachtete deutsche Premiere in Hongkong


Ein deutsches Galopprennpferd läuft bei der Hongkong International Vase, dem mit sechs Millionen Hongkong Dollar (rund 1,2 Millionen Mark) dotierten bedeutendsten internationlen Einladungsrennen in der Kronkolonie. Für die Medien in Hongkong war der Start des Kölner Hengstes Protektor im vergangenen Monat ein dankbares Thema. Nie zuvor war ein deutscher Galopper in Hongkong an den Star gekommen. Die Geschichten der Fachjournalisten vor Ort handelten vorab vom Exoten, einem chancenlosen Pferd, das zudem mit einem krummen Rücken, einem sogenannten Senkrücken, ohnehin rennuntauglich aussieht.

Aber ausgerechnet dieses Pferd, Protektor, ist es, das in der Turfsaison 1996 zum Liebling auf deutschen Bahnen avancierte. Daß er am Ende des Jahres auch die asiatischen Skeptiker eines Besseren belehrte - dieser Bestätigung hätte es für seine große Fangemeinde nicht mehr bedurft.

"Er wirkte deplatziert, sah mit seinem Winterfell aus wie ein Teddybärchen", sagt Trainer Andreas Löwe. Ganz anders die Starter aus den Vereinigten Staaten, Neuseeland und Australien, die im sommerlichen Glanz erstrahlten. Weil Protektor nach der Reise in Asien zunächst drei Tage lang keinen Hafer fraß und auf den Trainer einen ziemlich schlappen Eindruck machte, überlegte sein Anhang sogar, diesen historischen Start eines deutschen Pferdes in Hongkong abzusagen.

"Protektor ist ein bißchen was Besonderes", begründet Löwe, warum er und Besitzer Dieter Joswich den Hangst dennoch an dem Rennen teilnehmen ließen. Seine Fans wissen es längst: Protektor kämpft immer, auch wenn das Rennen noch so aussichtslos scheint. Auf staubtrockenem Boden, was der Hengst nicht mag, und aus der äußersten Box 14 startend, kämpfte sich Protektor mit Jockey Terence Hellier hinter dem englischen Sieger Luso auf den vierten Platz.

Ein lukratives Kaufangebot aus Australien folgte. "Ich weiß nicht, wieviele Nationen uns auf die Schulter geklopft haben, weil sie Protektors Härte bewunderten", sagt Joswich. 200 Meter vor dem Ziel hatte der Hengst nach unglücklichem Rennverlauf noch auf dem zwöften Platz im Feld der 14 Starter gelegen. Nach der Aufholjagd vergaß die deutsche Delegation schnell, daß Protektor, der für den vierten Platz in dem Gruppe-II-Rennen umgerechnet 56.000 Mark erhielt, vorab belächtelt worden zu sein.

Aber Protektor ergeht es in Deutschland kaum besser als in Hongkong. Auch hier wird der Braune von den Wettern selten ernstgenommen - und trumpft dann regelmäßig als Favoritenschreck groß auf. Der Grund: Für hiesige Verhältnisse hat Protektor als galoppierendes Sportpferd auf internationalem europäischen Niveau ein biblisches Alter erreicht. Er ist achtjährig. Schon seit zwei Jahren geht indes die Mär, mit seinem hohen Alter könne Protektor gegen die jungen Rennpferde nicht mehr bestehen. Als Sieger im letztjährigen Idee Hansa-Preis in Hamburg über den 14:10-Favoriten Germany versetzte er viele in sprachloses Erstaunen. Unbesiegbare Pferde gibt es nicht, war die altbekannte Weisheit, die sich seitdem viele vermeintliche Experten verstärkt zu Herzen nehmen.

Nun setzte ein regelrechter Starkult um den vermeintlichen Oldie an. Als Protektor auf seiner Heimatbahn im Europapreis hinter Derbysieger Lavirco als Zweiter in dem Gruppe-I-Rennen noch vor der besten deutschen Stute Hollywood Dream und dem Engländer Luso einkam, kannte die Freude bei den Zuschauern keine Grenzen. "Tausende hielten Taschentücher in den Händen", sagt Besitzer Joswich über über den zweiten Platz. Lavirco ist vielleicht das beste deutsche Pferd. Keine Frage aber, wer in Köln an diesem Tag der Publikumsliebling war.

Es gibt daher kaum einen Grund für seine Mannschaft, Protektor in diesem Jahr aus dem Rennstall zu nehmen. "Er kam aus Hongkong hier an, als wenn er der große Pascha ist. Er hätte gleich wieder starten können", sagt Joswich. Auch 1997 wird Protektor daher Rennen auf höchstem Niveau bestreiten. "Papa, das kannst du doch nicht machen", musste sich Dieter Joswich daraufhin zwar von seinen Töchtern Martina und Sabine anhören. "Protektor ist gerne Rennpferd, da fiel die Entscheidung leicht", sagt indes Trainer Andreas Löwe. "Zudem wurde er in Hongkong von australischen Kollegen ermuntert: "Für Australier ist ein achtjähriges Pferd nichts Besonderes. Im Melbourne Cup laufen sogar Neujährige. Das hat mich sehr bestärkt."

Von einem Gruppe-I-Sieg, vielleicht in Italien, träumt der Besitzer Joswich schließlich auch mit seinem Achtjährigen seit langer Zeit: "Protektor ist ein so harter Hund. Ich weiß nicht, ob es nicht doch noch ein Wunder geben sollte.

von: Nanette-Natalie Naumann
 
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